Sonntag, 19. Dezember 2010

Führungspositionen in Vereinen

Jeder Verein kennt das Problem: Vorstandswahlen. Gerade wenn im Frühjahr Neuwahlen anstehen, sollten die Überlegungen frühzeitig beginnen. Doch wer ist für die Übernahme von Aufgaben in einem Verein geeignet? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns im heutigen Blogeintrag. Vorerst muss jedoch geklärt werden, was einen Verein auszeichnet oder ihn auszeichnen sollte.

Der Idealtypus eines Vereines besticht besonders durch die Freiwilligkeit seiner Mitglieder und der Ausrichtung seiner Ziele an den Mitgliederinteressen. Weiterhin sollten partizipatorische Entscheidungsstrukturen das Bild eines Vereines prägen. Der Idealtypus ist aber wie so oft nicht immer oder nur sehr selten auf die Realität übertragbar. Doch wie sollte ein Verein in der heutigen Zeit aufgestellt sein, um erfolgreich zu sein und dabei liegt die Betrachtungsweise wie Erfolg definiert ist in den Zielen, die sich ein Verein setzt. So gibt es zum Beispiel Vereine, die sich auf eine bestimmte Tätigkeit beschränken, aber auch Vereine, die ihren Mitgliedern ein breit gefächtertes Angebot bieten möchten. Diese Betrachtung führt uns zu der ersten Eigenschaft, die ein Mitglied eines Vorstandes haben sollte: Er sollte wissen, was die Ziele des Vereines sind.
Wie bereits zu Beginn erläutert sollten diese Ziele an den Mitgliederinteressen ausgerichtet sein. Diese Eigenschaft, aber auch die Kenntnis der Ziele, zeichnet jedoch nicht nur einen Verein aus, sondern auch jedes beliebige Unternehmen, das an einem Markt tätig ist. Daraus lässt sich auch die Beobachtung erklären, warum so viele Vereine immer mehr einem Unternehmen gleichen. Häufig findet man sogar zwei Organisationsformen. Zum einem den ursprünglichen Verein und zum anderen ein hierarchisch aufgebautes Unternehmen mit ähnlichem Namen und dem Firmenzusatz der AG, Gmbh oder anderen.
Ein Verein ähnelt somit in einigen Punkten einem Unternehmen, aber es gibt zwei entscheidende Unterschiede. Der erste ist die Wirtschaftlichkeit. Unternehmen wie eine AG oder GmbH bauen auf dem Gedanken eines wirtschaftlichen Vereines auf (§ 22 BGB), während der Verein im allgemeinen Sprachgebrauch einen nicht wirtschaftlichen Verein nach § 21 BGB beschreibt. Der zweite entscheidene Unterschied ist die Freiwilligkeit. Und genau dies ist und sollte einen Verein unserer Meinung nach besonders auszeichen. In einem Verein sollten sich Menschen treffen, die nicht nur die gleichen Ziele verfolgen, sondern sich auch verstehen und damit meinen wir Menschen, die „auf einer Wellenlänge“ sind. Ein Verein sollte Geborgenheit bieten. Ein Verein muss keine langjährigen Traditionen haben wie es Vereinen häufig nachgesagt wird. Ein Verein kann Traditionen haben, die von den Mitgliedern gerne gepflegt werden, aber sie sollten keine Regeln sein, die nicht gebrochen werden dürfen. Geborgenheit sollte sich durch gegenseitige Unterstützung, Rücksichtnahme und einer gemeinsamen Leidenschaft auszeichnen.

Und aus diesem Grund sollten die Personen in einem Vorstand, der über die Zukunft des Vereines nachdenkt und entscheidet, nicht nur die Ziele und Interessen der Mitglieder gut kennen, sondern mit Leidenschaft an das Engagement herangehen und im Laufe seiner Amtszeit versuchen diese Leidenschaft auf die Mitglieder zu übertragen, denn engagierte, „brennende“ Mitglieder sind der Schatz eines jeden Vereines, denn sie „übertragen weitere Funken“.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Sponsoring

Sponsoring gewinnt zunehmend an Bedeutung für Unternehmen. Die Below-the-line-Aktivität versucht markenspezifische oder Unternehmensinformationen zu übertragen. Unter Sponsoring versteht man im Allgemeinen einen Prozess (Planung, Organisation, Durchführung sowie Controlling), um eine Person, Organisation oder Team im Bereich Sport, Kultur, Soziales oder Umwelt zu unterstützen. Mit dem Sponsoring sollen Kommunikationsziele erreicht werden. Eine derartige Kooperation ist im Idealfall eine win-win-Situation für beide Parteien.

Sponsoring hat drei Funktionen: Transport-Funktion, Transfer-Funktion und Strategie-Funktion.

Bei der Transport-Funktion soll die gesponsorte Person oder Organisation die Aufmerksamkeit auf den Sponsor erhöhen, da Sponsoring ein viel höheres Bewusstsein für eine Marke schaffen kann als klassische Werbung. Das Sponsoring-Management sollte in diesem Fall eine langzeitige Bindung mit dem Gesponsorten eingehen.

Die Transfer-Funktion soll Eigenschaften oder ein Image von dem Gesponsorten auf den Sponsor übertragen. Dies wird gemacht, da das Image eine hohe Relevanz für Kaufentscheidungen hat. Image-Transfer ist nur möglich, wenn der Gesponsorte zu dem Sponsor passt. Dies bezeichnet man als den sogenannten Sponsor-Fit. Aber auch einzelne Eigenschaften können übertragen werden, wie beispielsweise "dynamisch", "erfolgreich" oder "bekannt".

Die Stragetische Funktion ist nicht für das operative Marketing verwendbar, da Langzeit-Business-Strategien im Vordergrund stehe. Ziele einer derartigen Funktion können die Verbesserung von Geschäftsbeziehungen sein. Zielgruppen sind nicht primär die Konsumenten, sondern Stakeholder, deren Wohlwollen für das Unternehmen wichtig ist.

Der Sponsoring-Prozess setzt sich aus sechs Elementen zusammen. Zunächst einmal wird an einem derartigen Prozess über Sponsoringgrundsätze und -philosophie nachgedacht. Dies beinhaltet, dass man Leitlinien für das Sponsoring-Management verfasst.

Der darauffolgende Schritt ist eine Situationsanalyse. Hierfür eignet sich besonders die SWOT-Analyse. Mit Hilfe dieses Analyse-Tools könne interne und extrerne Faktoren bewertet werden. Externe Faktoren könnten zum Beispiel Marktchancen und -risiken sein; interne zum Beispiel Stärken und Schwächen in der finanziellen Struktur.

Das dritte Element des Prozesses ist die strategische Planung. Dort muss festgelegt werden, was das Sponsoring-Objekt ist, wer die Zeilgruppe ist, was Ziele sind und wie hoch das Budget angesetzt werden kann.

Nach der strategischen Planung folgt die operative Implementierung. Hier werden wiederum Ziele definiert, jedoch mit vorgegebenen Zielwerten. Desweiteren wird das Budget verteilt und der zu Unterstützende ausgewählt.

Die letzten beiden Elemente sind die Durchführung sowie die Kontrolle des Sponsoring. In der Praxis gibt es einige Evaluations-Tools. Vor allem wird dort sie Marktforschung angewandt.

Zukünftig wird das Sponsoring immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das Sponsoring-Etat wird jedoch zukünftig nur noch degressiv steigen.

Montag, 6. Dezember 2010

WM-Vergabe an Katar

Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an den Wüstenstaat Katar polarisiert. Befürworter sowie Gegner liefern sich heftige Diskussionen. Natürlich gibt es für beide Seiten schlagkräftige Argumente. Jedoch wirkt es so, als habe die Vergabe kommerzielle Hintergründe. Das Prestige-trächtige Freundschaftsspiel Brasilien gegen Argentienien im November diesen Jahres haben sich die Funktionäre Katars erkauft, um der Welt zu zeigen, dass sie in der Lage sind, hochkarätigen Fußball auszutragen. Im Land der Scheiche stellen sie die Weichen für die Weltmeisterschaft 2022. Dennoch müssen Fußballspieler und Fans dort mit 50°C im Schatten kämpfen.

Natürlich hat der Praktiker Franz Beckenbauer für diese Problematik eine Lösung. Die Weltmeisterschaft soll im Winter stattfinden. ALlerdings könnte es hier zu Terminschwierigkeiten kommen, da zur gleichen Zeit die Olympischen Winterspiele stattfinden. Die Hochburg des europäischen Fußballs wird in diesem Zeitraum, sollte sich das Klima bis dahin nicht radikal verändern, von einer Schneedecke umhüllt sein. Können Sie sich eine Fanmeile vorstellen, auf der die Menschen zittern vor Kälte oder zu Hause Fernsehn schauen mit Crêpe und Glühwein anstatt mit Freunden draußen grillend und bierverzehrend zu feiern? Die großen Bierkonzerne werden sich bedanken und sich dreimal überlegen, ob sie so eine Veranstaltung unterstützen.

Selbstverständlich gibt es auch Alternativen zu diesem nicht ganz ernstgemeinten Vorschlag. In Katar sollen die Fußballspiele und die Fanbereiche auf erträgliche Temperaturen klimatisiert werden. Ob dies jedoch gut für die Umwelt, die Sportler und die Zuschauer ist, soll an dieser Stelle angezweifelt werden. Ob die Technik bis 2022 soweit ausgereift ist, dass größere Umweltschäden vermieden werden können, bleibt abzuwarten. Jedoch lässt sich heutzutage schon feststellen, dass die dort verschwendeten Ressourcen anders eingesetzt werden sollten.

Als Pro-Argument wird immer verwendet, dass die Stadien hinterher in einem afrikanischen Land wieder aufgebaut werden sollen. Im ersten Moment klingt das wie eine gute Idee. Denkt man genauer darüber nach, erscheint es unwahrscheinlich, dass in Ländern, die große infrastrukturelle Problem haben, eine Erhaltung dieser High-Tech-Stadien möglich sein wird.

Alles in allem war die Wahl eine Entscheidung für das Geld und gegen die Seele des Fußballs.

Mittwoch, 24. November 2010

Beschwerden als Chance sehen

Mitglieder und Fans sind die größten Kritiker an den Leistungen einer Sportorganisation. Kritik an Eventdienstleistern üben hingegen Eventbesucher aus. Beschwerden werden viel zu oft als negative Äußerungen gewertet. Doch es sind eben diese Meinungsäußerungen, die eine Organisation aufnehmen muss, die gewillt ist, ihren Service, ihr Produkt oder Dienstleistung in einem kundenorientierten Prozess weiter den Bedürfnissen ihrer Konsumenten anzupassen und zu verbessern. Dadurch wird das Produkt, der Service oder die Dienstleistung ständig weiter optimiert. Natürlich fallen mit der systematischen Auseinandersetzung mit Beschwerden Kosten an. Doch setzt man diesen monetären Aufwand ins Verhältnis zu dem Nutzen, so wird man feststellen, dass sich eine kundenorientierte Produktentwicklung lohnenswert zeigt.

Das Beschwerdemanagement lässt sich in einer Organisation in das Customer Relationship Management klassifizieren. Das Customer Relationship Management, kurz CRM, ist die Auseinandersetzung mit den Beziehungen zum Kunden in einer Organisation. Das CRM lässt sich wiederum in das Marketing einordnen.

Für viele Non-Profit-Organisationen, zum Beispiel viele kleineren Vereine, sind Marketingmaßnahmen ein Aufwand, aus dem sie keinen Nutzen ziehen können. Die Akquise von neuen Mitgliedern ist in der heutigen Zeit immer schwieriger. Somit sollten Vereine in Zukunft einen Augenmerk auf die Mitgliederbindung legen. Diese Bindung ist mit einem viel niedrigeren personellen, sowie monetären Aufwand als bei der Gewinnung zu bewerkstelligen. In diesen Kontext kann man das Beschwerdemanagement einbeziehen. Ziel dieses Instrumentes ist es, aus einem unzufriedenen Mitglied ein zufriedenes Mitglied zu machen.

Beschwerden sollten als Chance wargenommen werden. Unzufriedene Kunden sollen zu zufriedenen Kunden werden. Dies bewerkstelligt man, indem man ein Beschwerdemanagementsystem einpflegt. Mit Hilfe dieses Systems kann man die Chance ergreifen, Beschwerden aufzunehmen und zu verarbeiten. Während des Prozesses sollte mit dem Beschwerenden kommuniziert werden, um eine Lösung für Probleme zu finden. Eine einheitliche Methode findet man in der Literatur im Bezug auf Sport und Event nicht. Studien haben jedoch ergeben, dass sich Konsumenten an dem Ort, an dem der Grund zur Beschwerde entsteht, über diese Mißgunst auslassen. Lediglich 1% ziehen es vor, sich via Fernkommunikationsmittel ihrer Frustation zu entledigen. Deswegen sollten Beschwerden an dem Ort aufgenommen werden, an dem sie entstehen könnten. Beim Fußballspiel wäre dieser Ort das Stadion, bei einem Event die Location. Als gute Methode eignen sich Servicepoints, an dem Mitarbeiter auch aktiv die Beschwerden aufnehmen. Dies muss auch öffentlich kommuniziert werden, damit Konsumenten auch die Chance haben, ihre Beschwerden zu äußern. Ein weiteres interessantes Tool sind Befragungen, mit deren Hilfe Zufriedenheiten analysiert werden können. Durch Fragenkombinationen, wie zum Beispiel "Wie zufrieden sind Sie mit unserem Service?" und "Wo sehen Sie Verbesserungspotential?", können Konsumenten direkt befragt werden und daher Beschwerden vorgebeugt werden.

In der Literatur gibt es zu dem allgemeinen Beschwerdemanagementsystem bereits viele Ausarbeitungen und Publikationen. Die Relation Beschwerdemanagement und Sportorganisationen wurde hingegen sehr sporadisch in der Literatur beschrieben. Es wurde lediglich die Wichtigkeit eines solchen Systems erörtert (siehe Nufer und Bühler, "Relationship Marketing in Sport" sowie "Marketing in Sportorganisationen"). In naher Zukunft sollten sich Wissenschaftler und Praktiker mit dieser Thematik weiter auseinandersetzen.

Dienstag, 16. November 2010

Team und Teammitglieder

Am morgigen Mittwoch werden sehr wahrscheinlich vier Spieler von Borussia Dortmund in der deutschen Nationalelf auflaufen. Es handelt sich hierbei um die Spieler Mario Götze, Marcel Schmelzer, Mats Hummels und Kevin Großkreutz. Nach elf Jahren könnten zum ersten Mal wieder vier BVB-Spieler im Aufgebot der Nationalmannschaft stehen.

Der Älteste von ihnen ist gerade mal 22 Jahre alt. Jürgen Klopp, der sympathische Trainer der Borussia, hat in kürzester Zeit ein junges und dynamisches Team geformt. Doch was zeichnet ein Team aus?

Zunächst einmal ist es von essentieller Bedeutung die Rollen von Menschen in einem Team zu verstehen. Der englische Experte auf dem Gebiet der Team- und Führungsentwicklung Dr. Meredith Belbin unterscheidet acht differierende Arten von Teamrollen. Diese sind zum einen der Teamarbeiter, der Beobachter, der Koordinator, der Macher, der Perfektionist, der Spezialist, der Erfinder und der Wegbereiter. All diese Rollen werden und können von unterschiedlichen Personen in einer Gruppierung bekleidet werden. Natürlich gibt es auch Mischformen zwischen den Rollen. Beispielsweise kann ein Macher auch ein Spezialist sein. Als Führungspersönlichkeit einer Sport- oder Eventorganisation sollte man mit diesen Rollen im Team umgehen können. Zwei Macher in einem Team können beispielsweise sich konkurrierend verhalten. Diese können zu Spannungsfeldern in einem Personengeflecht führen. Ein Team muss so zusammengestellt werden, dass ein harmonisches Miteinander entsteht.

Es gibt zehn wichtige Regeln, die sich jeder, der ein Team zusammenstellen will, beherzigen sollte. Diese wären nach Haseke, U. (2008). Team-und Konfliktmanagement.Berlin: CornelsenVerlag folgende:
1.Ein erfolgreiches Team entsteht nicht von alleine.
2.Ein erfolgreiches Team macht noch keinen erfolgreichen Teamleiter.
3.Erfolgreiche Teams sind nicht notwendigerweise zufriedene Teams.
4.Nicht jede Gruppe kann zu einem Erfolgsteam werden, aber vielleicht zu einem zufriedenen Team.
5.Der Teamleiter ist nicht notwendigerweise die Person, die das Team wirklich leitet.
6.Ein Teamleiter, der sein Team nicht liebt wird von seinem Team nicht geliebt.
7.Eine Beförderung macht noch keinen Teamleiter.
8.Konflikte und Probleme im Team sind automatisch Probleme der Teamleitung.
9.Sinn und Zweck der Zusammengehörigkeit ist die Bewältigung der Teamaufgabe.
10.Ein Teamleiter, der nicht sanktionieren kann, ist kein Teamleiter.

Team bedeutet nicht "Toll, ein anderer machts" oder "Terror, Erfurcht, Angst, Mord", sondern "Toleranz, Engagement, Arbeitseifer und Miteinander".

Mittwoch, 10. November 2010

Korruption

Sportorganisation sind Personenvereinigungen. Diese sind davon gekennzeichnet, dass Personen in diesen Organisationen handeln und Entscheidungen treffen müssen. Entscheidungen sind nicht rational. Emotionen führen unser Handlungen und beeinflussen unsere Resolutionen. Diese sind nicht immer im Einklang mit den Zielen einer Organisation oder gar mit Rechtssprechungen.

So ist es zu erklären, dass Korruption ein Thema im Sport ist. Doch was versteht man unter dem Begriff Korruption. Das Ministerium der Finanzen definiert diesen Begriff sehr anschaulich in einem Merkblatt zur Bekämpfung der Korruption in der öffentlichen Verwaltung:

"Unter Korruption werden diejenigen Verhaltensweisen verstanden, bei denen Amtsträger ihre Position und die ihnen übertragenen Befugnisse ausnutzen, um sich oder dritten materielle oder immaterielle Vorteile zu verschaffen."

Mit Hilfe dieser Definitionen lassen sich Arten von Korruption unterscheiden. Der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Organisationssoziologie, Soziologie und Ökonomie für Sport und Methoden der empirischen Sozialforschung Klaus Heinemann hat sich auch mit diesem Thema beschäftigt und hat fünf Arten unterschieden.

Die erste Form ist die Korruption zum Zweck der Gewinnmaximierung. Dies liegt vor, wenn sich beispielsweise ein Schiedsrichter bestechen lässt oder ein Torwart Geld dafür bekommt, dass er nicht eine von ihm gewohnte Leistung erbringt. Im Fußballwettskandal 2005 kam heraus, dass der ehemalige deutsche Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer gegen Sach- sowie Geldzuwendungen Fußballspiele manipuliert hat. Er verschaffte dadurch Teilnehmern an Sportwetten Gewinne.

Die zweite Art der Korruption dient dem Zweck der Verdrängung im Wettbewerb. Eine solche Art der Korruption wäre eine Situation, in der Entscheidungsträger bestochen werden den Austragungsort eines Ereignisses in einen bestimmten Ort zu verlegen, obwohl dieser nicht das beste Angebot für den Sport unterbreiten kann. Zur Zeit droht der FIFA ein Korruptionsskandal dieser Art. Zwei Mitglieder des FIFA Exekutivkomitees wird vorgeworfen, ihre Stimmen für die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zum Verkauf angeboten zu haben. Diese Bestechlichkeit wurde durch zwei britische Reporter aufgedeckt, die sich als amerikanische Geschäftsleute ausgegeben haben, die die Weltmeisterschaft 2022 in die USA holen wollten. Die FIFA kündigte eine Untersuchung an und forderte bereits alle Unterlagen zu diesem Vorfall an. Anschließend soll über weitere Schritte entschieden werden.

Die Korruption zum Zecke der Umgehung von Auflagen stellt eine weiter Art der Bestechung dar. In diesem Fall werden Bestechungen verübt, um ungestraft bestimmte Auflagen zu missachten. In der Praxis ist ein solcher spektakulärer Fall 2008 aufgetreten. Die Triathletin Lisa Hütthaler aus Österreich soll 20.000 € geboten habe, wenn ihr Labortest verfälscht wird. Unmittelbar nach dem erfolgten Bestechungsversuch hat die betroffene Labormitarbeiterin diesen Vorfall gemeldet. Das Österreichische Anti-Doping-Komitee ÖADC hat sich diesem Fall angenähert. Sie wurde für 2 Jahre gesperrt. Im Mai 2010 feierte die Athletin ihr Comeback im Profisport.

Korruption zum Zweck der Umgehung der Grenzkontrolle. Dies liegt vor wenn erreicht werden soll, dass einem ausländischen Sportler schnell eine Staatsangehörigkeit erteilt wird, damit er in der eigenen Nationalmannschaft spielen kann. 2004 wollte sich der Wüstenstaat Katar eine Nationalmannschaft zusammenkaufen. Ailton und Dedé sollten sich mit der Nationalmannschaft Katars für die FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland qualifizieren. Die FIFA untersagte allen Profis, die ohne Bezug zu einem Land dessen Staatsbürgerschaft annehmen wollen, die Spielberechtigung für die Nationalmannschaft dieses Verbandes.

Die fünfte Art der Korruption dient dem Zweck der Leistungserbringung. Dies liegt vor bei einem Informationsverkauf. Beispielsweise könnte ein Informant Wissen weitergeben über ein Angebot eines Konkurrenten. Daraufhin könnte der Informationsempfänger ein besseres Angebot unterbreiten. Von dieser Art der Korruption sind bisher keine nennenswerten Skandale aufgetreten.

Im Umgang mit Korruption sind die Mittel beschränkt, da diese strafbare Handlungen schwer nachzuweisen sind. Sollten ein korruptes Handeln jedoch bewiesen werden, kann eine Organisation Sanktionen erlassen. Beispielsweise hat die FIFA solche Regularien in ihrem Disziplinarregelemt. Der Artikel 62 diese Reglements schreibt vor:
"Wer einem Organ der FIFA, einem Spieloffiziellen, einem Spieler oder einem Offiziellen einen unrechtmäßigen Vorteil für ihn oder eine Drittperson anbietet, verspricht oder gewährt, damit der Bestochene das Regelwerk der FIFA verletzt wird mit einer Geldstrafe, einem Verbot jeglicher im Zusammenhang mit dem Fußball stechenden Tätigkeit oder einem Stadionverbot belegt."
Dies wirkt gegen alle Personen, die versuchen eine bestechende Handlung durchzuführen. Doch die FIFA betraft auch Personen, die sich bestechen lassen. Dies gibt das Regelement im folgenden Satz wieder:

"Wer sich der passiven Bestechung schuldig macht (eine ungerechtfertigte Vergünstigung erbittet, sich diese versprechen lässt oder annimmt), wird auf die gleiche Weise bestraft."

Die Folgen von Korruption nehmen drastische Züge an und Schaden dem Sport ungemein. Korruption führt zu einem Vertrauensverlust aller am Sportgeschehen. Wenn niemand mehr sich für den Sport interessiert und dafür Geld ausgibt, bricht ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland weg. Der Sportsektor umfasst einen Anteil von 2 % am Brutto-Inlandsprodukt und verzeichnet zusammen mit der Computerbranche die größten Zuwachsraten im letzten Jahrzehnt.

Samstag, 6. November 2010

Mobbing in Sportorganisationen

Raymond Domenech, der ehemalige Trainer der Équipe Tricolore, verklagt den französischen Fußballverband auf 2,9 Millionen Euro Schadensersatz. Sein ehemaliger Arbeitgeber soll die fristlose Kündigung verspätet ausgesprochen haben.

Der skandalöse Auftritt der französischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südarfika sorgte für den größten Eklat in der Geschichte des Turniers. Der Stürmerstar Anelka beschimpfte seinen Trainer in der Halbzeitpause des Spiels gegen die mexikanische Auswahl. Daraufhin wurde der Chelsea-Profi vom Verband vorzeitig nach Hause geschickt. Domenech wird von seitens des Verbandes vorgeworfen, er habe die Funktionäre nicht darüber informiert, dass er von Nicolas Anelka beschimpft worden sein. Des Weiteren wurde das Verhalten des Trainers beim Trainingsstreik kritisiert, nachdem die Mannschaft das Training boykottierte.

Doch nicht nur dies waren die Ursachen für den bis heute geführten Streit zwischen Domenech und dem französischen Verband. Vorausgegangen war das Mobbing gegen den Spielmacher Yoann Gourcuff. Dieser wurde vom damaligen Trainer bevorzugt. Daraufhin wurde der Fußballer von seinen Mitspielern gemobbt.

Das Mobbing von Mitspielern in Sportorganisationen oder Mannschaften ist kein neues Phänomen. Das Wissen, was Mobbing ist und wie es bekämpft werden kann ist für jeden Sportmanager wichtig.

Gourcuff, der Spielermacher von Girondins Bordeaux, der jetzt bei Olympique Lyon spielt, wurde von seinen Mitspielern gemobbt. Sie machten ihm das Leben zur Hölle, da er nicht in das Team passte. Wie der "kicker" berichtete, wurde Gourcuff schräg angesehen, weil er wohlerzogen sei und zudem mal ein Buch lesen würde. Dies würde nicht zum gängigen französischen Spielernaturell, das lieber stundenlang vor der Playstation hockte, passen.

Doch was versteht man unter dem Begriff Mobbing? Klaus Heinemann definiert in seinem Buch "Sportorganisationen" den Begriff folgendermaßen:

Mobbing kann mit folgenden Merkmalen definiert werden: Es sind 1. Formen von Kommunikationen oder Handlungen von 2. einzelnen Mitgliedern/Mitarbeitern oder auch Gruppen in einer Organisation,(...), die gegen einzelne andere Mitglieder der Organisation gerichtet sind, die 3. über einen längeren Zeitraum andauern und systematisch und absichtlich erfolgen, die 4. das Ziel haben, diese Person dadurch zu schädigen, also zu demütigen, einzuschüchtern oder aus ihrer Position zu verdrängen, wobei 5. die betroffene Person kaum die Möglichkeit hat, sich angemessen zu wehren oder dieser Situation zu entkommen.

Dies bedeutet, dass Mobbing immer das Ziel verfolgt, jemanden anderen schlechter dastehen zu lassen. Kommt dies in einer Organisation vor, sollte dies unbedingt unterbunden werden.

Die Ursachen für Mobbing sind zumeist die gleichen. Missgunst, Frustration, Langeweile oder Intoleranz führen zu diesem Handeln. Das Opfer ist meist auf sich allein gestellt und kann nur schwer diesem Handeln entgegenwirken. Äußerliche Merkmale, wie beispielsweise die Kleidung, Behinderung, Geschlecht oder die Hautfarbe können dazu führen, dass sich Personen in der Rolle des Mobbingopfers befinden. Doch nicht nur dies sind Ursachen, wie das Beispiel Yoann Gourcuff zeigt. Anderes Verhalten in der Gruppe sorgte dafür, dass er gemobbt wurde. Des Weiteren führen gute oder überdurchschnittliche Leistungen sowie hier die öffentliche Anerkennung des Trainers zur Missgunst der Mannschaft. Unsicheres Auftreten kann außerdem zum Mobbing führen.

Wie das Beispiel zeigt, kann Mobbing auch in Sportorganisationen vorkommen. Sportmanager müssen mit dem Phänomen "Mobbing" vertraut sein, um im Falle des Auftretens entgegenwirken zu können. Es muss alles unternommen werden, um jegliche Form des Mobbings zu unterbinden. Mobbingopfer müssen geschützt werden, da es nicht nur Motivation und Leistung verringert, sondern auch viel Energie kostet und die betroffenen physisch und psychisch krank macht.