Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an den Wüstenstaat Katar polarisiert. Befürworter sowie Gegner liefern sich heftige Diskussionen. Natürlich gibt es für beide Seiten schlagkräftige Argumente. Jedoch wirkt es so, als habe die Vergabe kommerzielle Hintergründe. Das Prestige-trächtige Freundschaftsspiel Brasilien gegen Argentienien im November diesen Jahres haben sich die Funktionäre Katars erkauft, um der Welt zu zeigen, dass sie in der Lage sind, hochkarätigen Fußball auszutragen. Im Land der Scheiche stellen sie die Weichen für die Weltmeisterschaft 2022. Dennoch müssen Fußballspieler und Fans dort mit 50°C im Schatten kämpfen.
Natürlich hat der Praktiker Franz Beckenbauer für diese Problematik eine Lösung. Die Weltmeisterschaft soll im Winter stattfinden. ALlerdings könnte es hier zu Terminschwierigkeiten kommen, da zur gleichen Zeit die Olympischen Winterspiele stattfinden. Die Hochburg des europäischen Fußballs wird in diesem Zeitraum, sollte sich das Klima bis dahin nicht radikal verändern, von einer Schneedecke umhüllt sein. Können Sie sich eine Fanmeile vorstellen, auf der die Menschen zittern vor Kälte oder zu Hause Fernsehn schauen mit Crêpe und Glühwein anstatt mit Freunden draußen grillend und bierverzehrend zu feiern? Die großen Bierkonzerne werden sich bedanken und sich dreimal überlegen, ob sie so eine Veranstaltung unterstützen.
Selbstverständlich gibt es auch Alternativen zu diesem nicht ganz ernstgemeinten Vorschlag. In Katar sollen die Fußballspiele und die Fanbereiche auf erträgliche Temperaturen klimatisiert werden. Ob dies jedoch gut für die Umwelt, die Sportler und die Zuschauer ist, soll an dieser Stelle angezweifelt werden. Ob die Technik bis 2022 soweit ausgereift ist, dass größere Umweltschäden vermieden werden können, bleibt abzuwarten. Jedoch lässt sich heutzutage schon feststellen, dass die dort verschwendeten Ressourcen anders eingesetzt werden sollten.
Als Pro-Argument wird immer verwendet, dass die Stadien hinterher in einem afrikanischen Land wieder aufgebaut werden sollen. Im ersten Moment klingt das wie eine gute Idee. Denkt man genauer darüber nach, erscheint es unwahrscheinlich, dass in Ländern, die große infrastrukturelle Problem haben, eine Erhaltung dieser High-Tech-Stadien möglich sein wird.
Alles in allem war die Wahl eine Entscheidung für das Geld und gegen die Seele des Fußballs.
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