Samstag, 6. November 2010

Mobbing in Sportorganisationen

Raymond Domenech, der ehemalige Trainer der Équipe Tricolore, verklagt den französischen Fußballverband auf 2,9 Millionen Euro Schadensersatz. Sein ehemaliger Arbeitgeber soll die fristlose Kündigung verspätet ausgesprochen haben.

Der skandalöse Auftritt der französischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südarfika sorgte für den größten Eklat in der Geschichte des Turniers. Der Stürmerstar Anelka beschimpfte seinen Trainer in der Halbzeitpause des Spiels gegen die mexikanische Auswahl. Daraufhin wurde der Chelsea-Profi vom Verband vorzeitig nach Hause geschickt. Domenech wird von seitens des Verbandes vorgeworfen, er habe die Funktionäre nicht darüber informiert, dass er von Nicolas Anelka beschimpft worden sein. Des Weiteren wurde das Verhalten des Trainers beim Trainingsstreik kritisiert, nachdem die Mannschaft das Training boykottierte.

Doch nicht nur dies waren die Ursachen für den bis heute geführten Streit zwischen Domenech und dem französischen Verband. Vorausgegangen war das Mobbing gegen den Spielmacher Yoann Gourcuff. Dieser wurde vom damaligen Trainer bevorzugt. Daraufhin wurde der Fußballer von seinen Mitspielern gemobbt.

Das Mobbing von Mitspielern in Sportorganisationen oder Mannschaften ist kein neues Phänomen. Das Wissen, was Mobbing ist und wie es bekämpft werden kann ist für jeden Sportmanager wichtig.

Gourcuff, der Spielermacher von Girondins Bordeaux, der jetzt bei Olympique Lyon spielt, wurde von seinen Mitspielern gemobbt. Sie machten ihm das Leben zur Hölle, da er nicht in das Team passte. Wie der "kicker" berichtete, wurde Gourcuff schräg angesehen, weil er wohlerzogen sei und zudem mal ein Buch lesen würde. Dies würde nicht zum gängigen französischen Spielernaturell, das lieber stundenlang vor der Playstation hockte, passen.

Doch was versteht man unter dem Begriff Mobbing? Klaus Heinemann definiert in seinem Buch "Sportorganisationen" den Begriff folgendermaßen:

Mobbing kann mit folgenden Merkmalen definiert werden: Es sind 1. Formen von Kommunikationen oder Handlungen von 2. einzelnen Mitgliedern/Mitarbeitern oder auch Gruppen in einer Organisation,(...), die gegen einzelne andere Mitglieder der Organisation gerichtet sind, die 3. über einen längeren Zeitraum andauern und systematisch und absichtlich erfolgen, die 4. das Ziel haben, diese Person dadurch zu schädigen, also zu demütigen, einzuschüchtern oder aus ihrer Position zu verdrängen, wobei 5. die betroffene Person kaum die Möglichkeit hat, sich angemessen zu wehren oder dieser Situation zu entkommen.

Dies bedeutet, dass Mobbing immer das Ziel verfolgt, jemanden anderen schlechter dastehen zu lassen. Kommt dies in einer Organisation vor, sollte dies unbedingt unterbunden werden.

Die Ursachen für Mobbing sind zumeist die gleichen. Missgunst, Frustration, Langeweile oder Intoleranz führen zu diesem Handeln. Das Opfer ist meist auf sich allein gestellt und kann nur schwer diesem Handeln entgegenwirken. Äußerliche Merkmale, wie beispielsweise die Kleidung, Behinderung, Geschlecht oder die Hautfarbe können dazu führen, dass sich Personen in der Rolle des Mobbingopfers befinden. Doch nicht nur dies sind Ursachen, wie das Beispiel Yoann Gourcuff zeigt. Anderes Verhalten in der Gruppe sorgte dafür, dass er gemobbt wurde. Des Weiteren führen gute oder überdurchschnittliche Leistungen sowie hier die öffentliche Anerkennung des Trainers zur Missgunst der Mannschaft. Unsicheres Auftreten kann außerdem zum Mobbing führen.

Wie das Beispiel zeigt, kann Mobbing auch in Sportorganisationen vorkommen. Sportmanager müssen mit dem Phänomen "Mobbing" vertraut sein, um im Falle des Auftretens entgegenwirken zu können. Es muss alles unternommen werden, um jegliche Form des Mobbings zu unterbinden. Mobbingopfer müssen geschützt werden, da es nicht nur Motivation und Leistung verringert, sondern auch viel Energie kostet und die betroffenen physisch und psychisch krank macht.

1 Kommentar:

  1. Mobbing ist leider auch im Sport nichts Neues. Egal ob Profi oder Amateur, ob Breiten- oder Leistungssport - die Zunahme von Mobbingfällen (nicht nur im Sport) ergibt eine traurige Bilanz.
    Da Neid und Missgunst ganz wichtige Faktoren bei dieser perfiden Form von Gewalt sind, geraten besonders häufig die Leistungsstarken oder -bereiten ins Visier von Mobbern.
    Möglich wird Mobbing aber nur, weil vermeintlich Unbeteiligte wegsehen. Bei Mobbing gibt es keine Unbeteiligten. Wenn es noch so etwas wie Ethik, Moral oder Zivilcourage gäbe, wäre Mobbing kaum ein Thema.
    Meine eigenen Mobbingerfahrungen (im Breitensport) habe ich in einem Buch veröffentlicht, um sogenannten Unbeteiligten und auch Mobbern klar zu machen, was tatsächlich alles im Opfer zerstört wird. Mobbing ist kein Kavaliersdelikt.
    Zudem habe ich die Initiative "Zeichen setzen für Fairness und Kameradschaft im Sport" ins Leben gerufen. Ein "Denk-mal-drüber-nach", ein einfaches Logo, das solche "Wegseher" zum Einschreiten ermutigen soll.
    Vor wenigen Tagen habe ich in einem offenen Brief den Deutschen Olympischen Sportbund angeschrieben und sowohl um eine Stellungnahme als auch um Unterstützung gebeten.

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